Quentin Tarantinos
Death Proof - Todsicher

USA 2007, R: Quentin Tarantino
D: Kurt Russell, Rosario Dawson, Sydney Tamiia Poitier u.a.


Ein Frauenfilm ...

"Death Proof" versteht sich als leicht ironisierende Reminiszenz an die Filme der 70er- und 80er-Jahre, die in so genannten "Grindhouses" gezeigt wurden. Also heruntergekommenen Kinos in den USA, die Raum für B-Pictures boten und technisch durchaus Defizite aufwiesen. So weit die förmliche Beschreibung. Faktisch zeigt Quentin Tarantinos Film vor allem Titten, Ärsche und coole Autos. Und das Gerede rund um Reminiszenzen tangiert eher peripher.
In den USA lief dieser Film eher mit überschaubarem Erfolg (In Deutschland respektabel mit ca. 500.000 Zuschauern). Der Grund dafür liegt auf der Hand. In Übersee wurde "Death Proof" in einer gekürzten Version gemeinsam mit "Planet Terror" gezeigt, dem zweiten Film des "Grindhouse"-Projekts (Regie: Robert Rodriguez), was zusammen drei Stunden Kino bedeutet. Das schreckt ab. In Deutschland liefen die Filme zum Glück in einer längeren Version und getrennt voneinander.

Zum anderen wurde an der Zielgruppe vorbeigeworben. Denn: "Death Proof" ist eigentlich ein Frauenfilm. Zumindest für jene Frauen, die man etwas profan als "cool" bezeichnen würde. Doch Frauen rechnen nicht damit, dass diese Ansammlung von Blut, Haut und mehr oder minder intelligentem Gerede für sie gedacht sein könnte. Kein Zweifel: "Death Proof" riecht zunächst nach Männermovie. Aber jedes Mädchen, das sich wünscht, dass das großmäulige Geschlecht mal richtig eins auf die Schnauze bekommen sollte, ist hier glänzend aufgehoben. Besser jedenfalls als Männer, denen diese dreckig-geniale Erzählung nur empfohlen werden kann, wenn sie zur Selbstironie in der Lage sind. Frauen sehen hier Frauen, die selbstbewusst sind und die sich nicht den Mund verbieten lassen (zur Originalfassung sei dringend geraten). Bild und Ton gewordene Gleichberechtigung, womöglich gar Überlegenheit.

Bis auf kleine charmante Ausnahmen gibt es eigentlich nur einen Mann in dieser Geschichte. Und es geht nur am Rande um ihn. Im Mittelpunkt stehen acht Mädels. Acht Ärsche also, 16 Titten und ebenso viele Beine. Die werden von Tarantino genussvoll ins rechte Licht gerückt. Was in diesem Fall vor allem zu Beginn ein schummriges ist. Dort also, in einer Billigkneipe, sitzen die wunderschöne Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier) und ein paar Freundinnen von ihr (unter anderem Jordan Ladd). Sie plappern und trinken und plappern. Doch sie tun es in einer Art und Weise, dass Mann geneigt ist, ihnen gerne zuzuhören. Offen, ehrlich, bisweilen ordinär und vor allem: nicht umständlich oder verklausuliert. Frauen, die einfach sagen, was sie denken - toll!

Dann also betritt er den Raum. Stuntman Mike. Eine Paraderolle für Kurt Russell. Ein endcooler Leftover aus den 80er-Jahren, plus Elvis-Frisur. Er verwickelt eine langbeinige Blonde (Rose McGowan) in ein Gespräch, bietet ihr an, sie nach Hause zu bringen, interessiert sich aber keineswegs für ihre körperlichen Vorzüge. Sein Ziel: Er will sie auf den Beifahrerplatz in seinem Muscle Car platzieren. Das ist death proofed. Bedeutet: Bei einem Unfall überlebt der Fahrer garantiert. Aber nur der Fahrer.

Zeitsprung. Monate später. Die nächsten Mädels (unter anderem Rosario Dawson und Zoe Bell). Die lassen sich aber nicht so leicht über den Jordan schicken. Sie beginnen sich zu wehren und machen Jagd auf den Stuntman, der sich diesmal womöglich übernommen hat.

Man sollte es kurz machen: Die Handlung ist vollkommen egal. Es geht ums Jagen und ums Gejagtwerden. Es geht um kollidierende Autos und kopulierende Mädchen. Zweifellos aber auch um eine besondere Bildsprache, die eben als Hommage an die Grindhouse-Filme gedacht ist. So gibt es denn auch reihenweise Störungen, da werden alle Aufnahmen plötzlich mal schwarz-weiß. Artefakte an allen Ecken und Enden. Keine Frage, dass sich diese Form der Inszenierung gewaltig brechen wird mit der Ausstattung moderner Kinos.

Der Film, dessen deutscher Titel im Vorfeld mehrfach geändert wurde und der jetzt denkbar umständlich "Quentin Tarantinos Death Proof - Todsicher" heißt, versteht sich als schlichtestes Entertainment, als Trash im besten Sinne. Doch wie geschickt Tarantino hier zu Werke ging, zeigt sich vor allem an den ungemein fantasievollen Dialogen der Mädchen, die den größten Teil der Laufzeit füllen, aber merkwürdigerweise niemals langweilig werden. Das steht dann in einem geradezu genialen Kontrast zum wortkargen Auftreten des mörderischen Stuntmans, dessen Motiv übrigens bis zum Ende völlig im Dunkeln bleibt. Weil es tatsächlich auch völlig egal ist.

Es gibt zwei Filme mit Kurt Russell in der Hauptrolle, die sich selbst nicht ganz ernst nehmen. "Flucht aus L.A." ist der eine - keineswegs eine Fortsetzung, sondern eine ironisierende Persiflage auf die "Klapperschlange", jenen Kult-Actioner der frühen 80-er, der Maßstäbe setzte. Und der zweite ist eben dieser hier. In beiden Filmen schenkt der Regisseur dem Hauptdarsteller ein paar Sekunden für die Ewigkeit. Da darf er, in einem Moment der metakommunikativen Genugtuung, direkt in die Kamera blicken und zu lächeln beginnen. Dieses Lächeln weist den Weg und ist die Erklärung, wie mit "Death Proof" umzugehen ist.

Sicher, manche (wahrscheinlich die meisten) werden aus dem Kino kommen und die vergangenen 113 Minuten als Zeitverschwendung verfluchen. Entschuldigung - dass dies hier weder finnischer Experimentalfilm noch französisches Beziehungsdrama ist, war doch klar! Doch wer das Lächeln zu verstehen vermag, der wird noch lange an diesen Film zurückdenken. Weil er so viel Spaß gemacht hat wie nur ganz wenige in den letzten Jahren. Nicht nur wegen der Titten und Ärsche. Aber schon auch ein bisschen deswegen ...

DVD-Bewertung:
Beim Transfer wurde gute Arbeit geleistet. Auch der Sound wurde ausgezeichnet abgemischt, mit allen Störungen, Halleffekten und plötzlichen Mono-Allüren.

Punktabzug gibt es allerdings beim Bonusteil. Die Single-Edition im Steelbook enthält so gut wie keine Extras. Es gibt lediglich drei kurze Soundtrack-Ausschnitte und die Möglichkeit der Musikkapitelwahl. Damit lassen sich die einzelnen Songausschnitte im Film anwählen, was relativ sinnlos ist, weil viele Stücke nicht länger als 20 oder 30 Sekunden zu hören sind. Wer mehr Extras will, muss auf die etwas teurere Special Edition zurückgreifen.

Auch auf Blu-ray-Disc und HD-DVD (VÖ: 25.März 2008) erhältlich.

Rezension mit freundlicher Genehmigung von _teleschau - der mediendienst GmbH.

Bildmotive stammen von der Senator Entertainment AG

 

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